Ehrungen

Mutig, anderen zu helfen - Bundesverdienstkreuz für Bernhard Weik

Der 1. stellv. Landrat Michael Ruppert gratuliert Elisabeth Weik, der Ehefrau von Bernhard Weik.

Alexandra Sportmann überreicht Bernhard Weik einen Blumenstrauß vom cSc-Team

„Selbstaufopferung ist das wirkliche Wunder, aus dem alle anderen Wunder entspringen.“ Mit diesem Zitat von Ralph Waldo Emerson begrüßte Bürgermeister und Schirmherr des cSc (capp Sport cup) „gemeinsam rollt’s“, Frank Schneider, das Ehepaar Elisabeth und Bernhard Weik anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Bernhard Weik, das ihm vom 1. stellv. Landrat Michael Ruppert im Auftrag des Bundespräsidenten Horst Köhler überreicht wurde.

„Menschen wie Sie sind für mich persönlich die wahren Idole, Stars und Vorbilder, die mutig anderen helfen und sie unterstützen“, so der Bürgermeister. Michael Ruppert würdigte in seiner Laudatio die zahlreichen Verdienste von Bernhard Weik. Im Hinblick auf das Projekt „Ein ganz normaler Tag“, der bereits an zahlreichen Grundschulen zur Sensibilisierung der Schüler für Menschen mit Handicap durchgeführt wurde, meinte der stellv. Landrat: „Heute ist Mittwoch und ein ganz normaler Tag.“ Er habe einen Lebenslauf von Bernhard Weik bekommen, der wie sonst selten den Begriff „Lauf“ widerspiegele. Weik habe nicht nur viel erlaufen, auf Inlinern, Schlittschuhen und zu Fuß durch die Wüste, sondern sei auch jemand, der erkennbar viel unternommen habe, auch in der Wirtschaft als selbständiger Unternehmer. „Das kostet Mut.“

Am Ende der Unternehmerlaufbahn sei Weik zu einem Stifter geworden. „Was Sie jetzt bewältigen, ist imponierend und bemerkenswert, da Sie an diejenigen gedacht haben, die manches von Hause aus nicht können, weil sie gehandicapt sind und nicht so vom Glück beschenkt wurden“, meinte Ruppert im Hinblick auf den cSc (capp Sport cup) „gemeinsam rollt’s“ und weitere Aktivitäten der E & B Weik-Stiftung. „Ich treffe nicht so oft jemand, der diese Auszeichnung so verdient hat wie Sie.“

Bernhard Weik, der sich für die bewegenden Worte herzlich bedankte, entgegnete: „In Technik und Verkehr gibt es den Begriff der Umleitung, bei E-Mails heißt er Weiterleitung. Zwar ist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an eine Person gebunden, ich muss sagen, Ihr (das cSc-Team) habt es alle verdient.“ Er wolle deshalb die Auszeichnung an das gesamte cSc-Team weiterleiten.

Text: Jürgen Steinbrücker.
 

Text der Verleihungsurkunde:

In Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste verleihe ich Herrn Bernhard Weik, Langenfeld, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Berlin, den 25. August 2009.
Der Bundespräsident (gez.) Horst Köhler

Die Botschaft von Bernhard Weik: Setzen Sie sich ein Ziel

Dem Stifter der E & B Weik-Stiftung hat das Vorwärtsschauen geholfen.

In Lippach, einem kleinen Ort im Schwäbischen mit damals 400 Einwohnern, hat Bernhard Weik das schulische Rüstzeug bekommen, mit dem er ins Leben geschickt wurde. „Zwei bis drei Jahrgänge wurden in einer Klasse unterrichtet“, erinnert sich der Stifter der Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung. In der Großfamilie war er das zwölfte von 13 Kindern. Der Tisch war nicht gerade üppig gedeckt. „Mit 15 Jahren begann ich eine Lehre als Maschinenschlosser. Da Lehrstellen nur 30 Kilometer entfernt in Oberkochen zu haben waren, bezog ich ein Zimmer und stand dann bereits – auch finanziell – auf eigenen Füßen“, berichtet Weik. Da von zuhause keine Unterstützung möglich war, musste Bernhard Weik mit 60 DM Lehrlingsvergütung (im 1. Lehrjahr) auskommen. Davon gingen 15 DM für die Miete ab. Trotzdem hatte er sich mit 16 Jahren ein Fahrrad erspart, fuhr damit am Wochenende von Oberkochen nach Lippach und benutzte es als Sportgerät. Parallel zur Arbeit besuchte Bernhard Weik sechs Jahre / 12 Semester die Abendschule in Aalen und die Uni in Tübingen. Zweimal wöchentlich gab es nach dem neunstündigen Arbeitstag Vorlesungen, der Samstag war ebenfalls in die Fortbildung einbezogen. Abschlüsse in Maschinenbau, Elektronik und Betriebswirtschaft waren das Ergebnis dieses unbändigen Fleißes mit dem Ziel, weiterzukommen.

„Auch von ganz unten kann man sich durch Fleiß, Ausdauer, Verzicht und Disziplin beruflich weiter entwickeln“, diese Botschaft möchte Bernhard Weik anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den 1. stellv. Landrat des Kreises Mettmann, Michael Ruppert vermitteln. „Ich möchte allen Mut machen, dass sie ihr Ziel erreichen können, auch wenn sie nicht privilegiert geboren wurden.“

Der berufliche Werdegang führte mit 40 Jahren zur Selbständigkeit. Bernhard Weik war bis 1999 insgesamt 48 Jahre berufstätig, davon 23 Jahre als selbständiger Unternehmer. Danach veräußerte er seinen Betrieb und seine Patente und brachte den Verkaufserlös in eine Stiftung ein. Deren Hauptaufgabe lautet: Menschen mit und ohne Handicap sollen bei einem integrativen Sportfest, dem cSc (capp Sport cup) „gemeinsam rollt’s“, sich im Wettkampf messen, Freude am Sport haben und einen schönen und erlebnisreichen Tag verbringen. In diesem Jahr findet ein Jubiläum statt, denn der cSc wird am ersten Septembersonntag zum 10. Male veranstaltet.

Sport ist ein wesentlicher Inhalt des Lebens von Bernhard Weik. Die längste Strecke mit dem Fahrrad führte ihn an einem Tag über 540 km von Trondheim nach Oslo. Weitere freudige Ereignisse waren die 200 km auf Rollschuhen oder der 200 km-Eisschnelllauf in 07:53 Stunden. 2009 beteiligte er sich am Deutschen Turnfest. Jedes Jahr aufs Neue legt Bernhard Weik auch das Sportabzeichen ab. Seine Botschaft nach den vielen erfolgreichen Erlebnissen lautet: „Setzen Sie sich ein Ziel, gehen Sie jeden Tag einen Schritt auf Ihr Ziel zu. Sie werden dieses Ziel mit Sicherheit erreichen. Aber nicht der Wunsch wird belohnt, sondern jeder kleine Schritt.“ Worauf es im Leben ankomme, seien nie und nimmer die Bedingungen, die wir vorfänden, sondern das Lebenswerk, das wir hinterlassen.

Text von Jürgen Steinbrücker